Netzwerk Blühende Landschaft
Netzwerk Blühende Landschaft

Leindotter-Initiative - blühende Feldfrüchte für Biene, Hummel & Co.

Roggen-Leindotter-Gemenge  Foto: B. Heydenreich

Hintergrund
Wo finden Blüten besuchende Insekten in der Monotonie der Getreidefelder und grünen Wiesen heute ihre Nahrung? Die meisten landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland sind zu „Nektarwüsten“ geworden. Immer knapper wird die Nahrung für Bienen, Hummeln und Co. Die stetige Intensivierung der Landwirtschaft hat eine schleichende Verarmung der Landschaft nach sich gezogen. Das von Mellifera e. V. initiierte Netzwerk Blühende Landschaft setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass aus einfarbigen Produktionsflächen wieder eine blühende Kulturlandschaft wird, die nicht nur uns Menschen ernährt.

In den letzten Jahren ist die Notlage der Bienen immer mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Auch viele Landwirte sehen die Notwendigkeit sich für die Belange von Biene, Hummel & Co einzusetzen. Dabei bieten landwirtschaftliche Flächen viele Möglichkeiten blühende Pflanzen zu fördern, zu kultivieren oder zu tolerieren. Jedoch sind einige wirtschaftliche und produktionstechnische Herausforderungen groß. Die vorherrschende Anbau-Philosophie mit einer Ackerfrucht je Feld, die intensiv gedüngt, gefördert, gespritzt und gehegt wird, lässt andere blühende Pflanzen gar nicht zu. Untersaaten und Mischfruchtanbau können dies ermöglichen, z.B. mit der sehr alten blühenden Kultur- und Ölpflanze Leindotter.

Die Bedeutung des Leindotters
Leindotter als Kavalierspflanze im Roggen-Mischfruchtanbau  Foto: B. Heydenreich
Die Nutzung von Leindotter hat eine lange Historie, seit der keltischen Besiedlung ist die gelbblühende Pflanze als Nahrungspflanze bekannt. Leindotter ist relativ anspruchslos und hat Standortvorteile auf trockenen Böden und bei der Auswinterung, zudem zeigt er die positive Eigenart sich im Mischanbau an die Hauptfrucht anzupassen und als „Kavalierspflanze“ zu dienen. Dazu kommen ökologische Vorteile der Pflanze durch die rasche Bodendeckung, die das Aufkommen anderer Beikräuter unterdrückt, und das Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten in der Zeit der sommerlichen Trachtlücke. Besonders das Fettsäuremuster des Öls mit seinem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und die Aminosäuren-Zusammensetzung des Presskuchens machen Samen und Öl für Mensch und Tier zu einem wertvollen Nahrungsmittel.

Anbaumethoden wie der Mischfruchtanbau nutzen die Stärken von zwei Feldfrüchten, die sich gegenseitig unterstützen und tolerieren. Zum einen bedeuten zwei Feldfrüchte eine Versicherung des Landwirtes gegen mögliche Ertragsschwankungen durch schlechte Witterung bei einer Hauptfrucht, wie z.B. Hafer oder Roggen, die durch den Mehrertrag der Zweitfrucht, z.B. Leindotter, ausgeglichen wird. Zum anderen bieten Ölfrüchte im Mischfruchtanbau die Möglichkeit der Erzeugung von Biodiesel zum Einsatz in den landwirtschaftlichen Maschinen – ohne die Abwägung Tank oder Teller machen zu müssen, denn beides ist zusammen auf der gleichen Fläche möglich.

Offene Fragen beim Leindotter-Anbau
Jedoch steht dem Mischfruchtanbau noch ein etwas erhöhter technischer sowie planerischer Aufwand in der Fruchtfolge den konventionellen Methoden gegenüber, da in diesen Bereichen seit Jahrzehnten kaum geforscht und experimentiert wurde. Offene Fragen beim Leindotter-Anbau sind, z.B. Sorteneigenschaften der momentan in Deutschland/Europa angebauten Sorten, Chancen der züchterischen Bearbeitung des Leindotters, Nutzen für Insekten, Ernte- und Trenntechniken u.a.

Die Leindotter-Initiative



Deshalb startete das Netzwerk Blühende Landschaft zusammen mit zehn Partnerinstitutionen im Winter 2016 das Projekt Leindotter-Initiative, damit auf landwirtschaftlichen Flächen endlich wieder blühende Feldfrüchte angebaut werden. Damit wollen wir weiteren Nahrungsraum für Blütenbesucher schaffen und unsere intensive Agrarlandschaft aufwerten. Gleichzeitig geht es uns darum, positive Lösungsansätze für die Notlage der Bienen und der anderen Blütenbesucher aufzuzeigen, die Landwirten Mut machen und zum eigenen Handeln ermutigen.

Die Leindotter-Initiative stellt sich 2017 bis 2018 folgenden Aufgaben:

  • Sichtung und Versuchsanbau der vorhandenen Leindotter-Sorten auf verschiedenen Standorten
  • Monitoring des Insektenbefluges während der Blütezeit auf diesen Standorten
  • Überprüfung der Leindotter-Öle der versch. Standorte auf Fettsäuren-Gehalte (Anteile, Ertragsstabilität)
  • Versuch einen Leindotter-Sortenhonig zu erzeugen
  • Start einer Öffentlichkeits-Kampagne zur Gewinnung weiterer Landwirte für den Anbau,

Das Netzwerk Blühende Landschaft bringt sich beim Monitoring und der Öffentlichkeitsarbeit ein. Wir sind gemeinsam mit der Ludwig-Bölkow-Stiftung mit einer Beispielfläche und einem Informationsstand auf den 1. Öko-Feldtagen im Juni 2017 auf der Domäne Frankenhausen vertreten (Stand U9 in der Ausstellungshalle 2) www.oeko-feldtage.de

Partner in der Leindotter-Initiative sind:

  • Ludwig-Bölkow-Stiftung (Koordinatorin)
  • Netzwerk Blühende Landschaft (NBL)
  • Deutscher Imkerbund (DIB)
  • Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund
  • Stiftung Mensch und Umwelt (Initiative "Deutschland summt")
  • Deutscher Bauernverband
  • Bund Naturschutz in Bayern e.V.
  • Protein regional
  • Bundesverband dezentraler Ölmühlen e.V. (BDOel)
  • Bliesgau Ölmühlen
  • Landbauschule Dottenfelderhof e.V.
  • Neumarkter Lammsbräu
  • Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung

Mellifera e.V.